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Wasserkulturlandschaft ElbeVon der Quelle bis zur Nordsee

Hochwassermarken lesen

WissenAktualisiert am 10. Oktober 2026Lesezeit 2 Min.

An Häusern, Kirchen und Brückenpfeilern entlang der Elbe hängen Hunderte Hochwassermarken. Sie sind das Gedächtnis des Flusses, aber man muss sie lesen können.

Hochwassermarken am Wasserpalais in Pillnitz
Hochwassermarken am Wasserpalais in Pillnitz. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Eine Hochwassermarke zeigt den höchsten Wasserstand, den ein bestimmtes Hochwasser an genau dieser Stelle erreicht hat. Meist besteht sie aus einem waagerechten Strich oder einem Pfeil und einer Jahreszahl, manchmal auch mit Tag und Monat. Sie kann in Stein gemeißelt, als Metalltafel angeschraubt oder aufgemalt sein.

Wie Marken entstehen

Nach einem Hochwasser ist die Höchstwasserlinie oft noch tagelang als Schmutzstreifen an Wänden zu sehen. Diesen Streifen hat man über Jahrhunderte genutzt, um die Marke anzubringen. Heute werden die Höhen zusätzlich vermessen und dokumentiert. In Sachsen wurden nach 2002 und 2013 viele neue Marken gesetzt und in Übersichten erfasst. Manchmal hinterlässt das Wasser auch eine unfreiwillige Marke, wie die Farbgrenze an einem Haus in Křešice.

Was Marken zeigen

Eine Wand mit vielen Marken ist ein Archiv. Sie zeigt, wie oft ein Ort überflutet wurde, welche Fluten besonders hoch waren und wie sich die Ereignisse über die Zeit verteilen. Oft fällt auf, dass es Jahrzehnte mit vielen Hochwassern gab und lange Phasen ohne. Gerade nach ruhigen Phasen geraten Gefahren schnell in Vergessenheit. Marken erinnern daran, dass das Wasser wiederkommen kann.

Was Marken nicht zeigen

Eine Marke sagt nichts darüber, wie lange das Wasser stand, wie schnell es kam oder welche Schäden es anrichtete. Ein Winterhochwasser mit Eisgang wie 1845 und ein Sommerhochwasser nach Starkregen wie 2002 können an derselben Wand ähnlich hoch markiert sein und doch völlig verschiedene Ereignisse gewesen sein.

Nur am selben Ort vergleichbar

Die wichtigste Regel: Hochwassermarken sind nur untereinander vergleichbar, wenn sie am selben Ort hängen. Eine Marke von 2002 in Pirna und eine in Magdeburg lassen sich nicht direkt gegenüberstellen. Der Fluss hat an jedem Ort eine andere Höhe über dem Meer, ein anderes Tal und eine andere Breite. Auch zwischen Marke und Pegelwert besteht kein einfacher Zusammenhang, denn der Pegel hat seinen eigenen Nullpunkt. Mehr dazu im Beitrag Pegel lesen.

Vorsicht bei alten Marken

Alte Marken sind nicht immer an ihrer ursprünglichen Stelle. Bei Umbauten wurden Tafeln versetzt, Straßen wurden aufgeschüttet, Häuser neu verputzt. Manche Marken wurden aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Für Fachleute ist deshalb wichtig, ob eine Marke nachgemessen und dokumentiert ist. Für Besucher bleiben sie trotzdem eindrucksvolle Zeichen.

Wo Sie Marken finden

Dieser Wegweiser stellt einige besonders aussagekräftige Orte vor: das Wasserpalais in Pillnitz, das Rathaus von Stadt Wehlen, Königstein, Dolní Beřkovice und das Deichsiel Schönitz im Wörlitzer Gartenreich.